
Vom Ende der Welt über die Stadt in den Himmel
Zuallererst: ich ändere hiermit ganz offiziell und öffentlich meine Meinung! Der Zagari-Pass ist für Emma (und ganz viel andere „Stadtautos“) wirklich gut zu fahren und Abenteuer- (und meine Herz-) Frequenz hielten sich in Grenzen 😂. Es gibt nur wenige nicht asphaltierte Stücke und Baustellenabschnitte, von denen vor allem letztere zum Teil kurz herausfordernd sind weil matschig, aber mit LKW, Bagger und schwerem Baustellengefährt ist die Sorge des Festfahrens und buddeln müssens klein. In meinem persönlichen Beliebtheitsranking stehen diese Schilder trotzdem eher am unteren Ende 🤷♀️.


Ushguli auf 2.200 Metern Höhe erweist sich mit seinen vielen Wehrtürmen als deutlich ursprünglicher und anschaulicher als Mestia, aber es zieht uns nun voll auf den Pass. Wie gut, dass wir diese Tour gefahren sind: unfassbar und unbeschreiblich der 360-Grad-Ausblick auf 2500 Metern Höhe, besonders natürlich in Richtung des Hohen oder auch Großen Kaukasus.








Wie im Bilderbuch leuchten saftig grüne Berghänge mit sommerlichen Blumenwiesen vor den riesigen schneebedeckten Bergmassiven und dem strahlend blauem Himmel um die Wette- und lassen sich nicht mit bisherigen Pass-Anblicken vergleichen. Es scheint, als wäre der Sommer mit all seinen Farben in dieser beeindruckenden Kulisse intensiver als anderswo. Kaum vorstellbar, dass der Pass bis Ende Juni nicht befahrbar und gesperrt ist…
Der Anblick wird uns noch eine Weile begleiten, die Passstraße schlängelt sich über viele viele Kilometer weiter, bis wir in Lentekhi den Beginn (oder je nach Richtung auch das Ende) der früheren Straßen-Zivilisation erreichen. Heute gibt es keinen Unterschied mehr.
Sogar sehr hübsche Kaffeepausen-Plätzchen finden sich unterwegs. Aber selbst auf der Passhöhe ist es nicht kalt, direkt etwas weiter unten sogar gleich wieder sehr warm, obwohl es erst kurz vor Mittag ist. Wir sind froh, die Wander-Überlegungen nicht verwirklicht zu haben- ihr würdet uns vermutlich bis nach Heilbronn leuchten sehen. Mit etwas mehr Zeit (und guter Wander-Sommer-Sonnenschutz-Ausrüstung) dürfte man sich dieses Wander-Paradies aber nicht entgehen lassen.


Obwohl wir verhältnismäßig lange unterwegs sind kommen wir bei dieser Art Straße, die neben Kühen, Schweinen, Hunden und Pferden vor allem viele Reparatur- und Wiederherstellungs- Baustellen aufweist nur langsam voran.
Verschwitzt, durchgeschüttelt und etwas erschöpft freuen wir uns umso mehr über ein unerwartet gefundenes völlig einsames Plätzchen für die Nacht: ein aufgestauter Fluss, in den der Fahrer sich sofort stürzt, während die Beifahrerin noch mit den sie auffressenden Mücken kämpft und sich stattdessen für ein Ganzkörper-Autan-Bad entscheidet.


Fast bin ich den Mücken dankbar, nachdem sich beim morgendlichen Kaffee am und mit Blick auf den Fluss gut sichtbar eine Wasserschlange durchs so schön blaugrüne Wasser schlängelt 🤯 Jaja, die hat mehr Angst vor mir als ich vor ihr- was erst noch zu beweisen wäre!
Und weil wir gerade bei Morgen sind würde ich dann doch gerne noch kurz unseren neuen Urlaubswecker vorstellen:

Etwas schwerfällig und träge, aber oft am Klingeln erkennbar, sehr interessiert an Emma und im besten Falle auch noch Körperkontakt mit Emma suchend, was spätestens an dieser Stelle zum Aufwachen der Besatzung führt 🤪
Freilaufende Kühe gibt es hier: sehr viele, wirklich sehr viele und überall, wirklich überall, meistens zu mehrt und gerne in der Herde mitten auf der Straße oder an den engsten Stellen.
Nach so viel Landschaft und Landleben kommt uns die siebtgrößte Stadt gerade recht: wir machen Halt in Kutaissi, finden am Straßenrand einen Parkplatz, der wohl eigentlich ein Taxistand ist, entrichten dafür aber „Parkgebühr“, indem wir uns mit dem platzansässigen Taxi (ein uralter Opel mit etwa gleich altem Fahrer) zur Kathedrale fahren lassen und sparen so 20 Minuten Fußweg den Berg hinauf. Zum Glück: es ist sonnig und drückend schwül 🥵
Der Anblick von außen: toll, innen: eher schlicht wie der Reiseführer es treffend formuliert. Das macht der Kolchis-Brunnen dafür wieder wett 😂




Nachdem wir in Batumi nur Wein getrunken und keinen Wein gekauft haben, drehen wir das in Kutaissi nun herum und kaufen nur und trinken nicht 😜 Neben den ersten Flaschen Quevri- Weinen schleppen wir am Ende auch noch die Einkäufe vom Markt zurück ins Urlaubs-Zuhause. Letzterer wäre definitiv ein Bild wert gewesen, aber so rießig, so voll mit Gemüse, Obst, Käse, Fleisch, Gewürzen, Nüssen und noch so vielem mehr, so warm, so quierlig und vor allem die Frage: was davon kaufen wir nun, da ging das Bilder machen unter 🙈.





Es reicht an Stadt (und schwül-warm), wir flitzen nach Racha auf die Weinroute- und sehen viel, nur keinen Wein 😂 Das könnte auch an uns und mangelhafter Tourplanung liegen, wir haben uns nicht mit beschäftigt 🤷♀️ sonst hätten wir vlt auch gewusst, dass das auf dem Weg liegende berühmte Gelati-Kloster gerade jeglicher Christo-Verhüllung alle Ehre erweisen würde und wegen Renovierung unter der Woche gesperrt ist. Gut, dass das wenigstens weithin sichtbar war 🫢

Macht nix, Kloster Nummer 2 liegt etwas weiter in den Bergen, dann gibt die Route auch ohne Wein einen Sinn. Immer höher geht es mal wieder den Berg hoch, mitten durch die tief hängenden Wolken erreichen wir quasi schon im Himmel angekommen dann die Kathedrale in Nikortsminda. Und weil sich’s auf den Bildern viel besser macht sind plötzlich alle Wolken weg, strahlend schön liegt die Kirche vor uns.





Nun ist aber gut für heute, am riesigen Shaori-Reservoir werden wir auf Anhieb auf steinigem Untergrund fündig- die Wolken holen uns ein, lassen den See verschwinden, vertreiben die Angler, sorgen mit Gewitter für stürmisches Außenkochen und leichtes Nieseln lässt uns den nichts desto trotz und umso passenderen, sehr leckeren Eintopf im hübschen Emma- Inneren genießen.



Vermutlich wird das eine ruhige Nacht- spannend bleibt lediglich, ob es auch hier einen Kuh-Wecker gibt 😂
Morgen planen wir dann einen etwas größeren Ortswechsel, mal sehen, wie weit wir kommen 😎
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